Posted by Rainer

Ich habe seit ungefähr einem Jahr einen alten Kitty Hawk Junior. Das ist ein Röhrenamp, der Anfang der Achtziger  in Deutschland produziert wurde, von den damaligen Generalimporteuren von Mesa/Boogie und Dumble, den Brüdern Roy. Diese Amps waren Ende der Siebziger unbezahlbar teuer und extrem schwer zu bekommen – ein Boogie Mark I hatte ein halbes Jahr Wartezeit und Howard Dumble baute sowieso nur auf Bestellung und wenn er Lust hatte. Die Roys haben gemerkt, dass da noch reichlich Nachfrage war und gründeten die Firma Kitty Hawk, kopierten die importierten Amps und bauten sie zum Teil aus Teilen zusammen, die sie von Boogie und Dumble als Ersatzteile bekamen – was diese wenig witzig fanden und in der Folge die Geschäftsverbindung beendeten.

Als gegen Ende der Achtziger diese Art von Verstärkern kaum noch gefragt waren (Gitarren überhaupt, aber das ist eine andere Geschichte….), gingen die Stückzahlen, die Qualität, die Zuverlässigkeit der Kitty Hawks den Bach runter und damit letztlich die ganze Firma.

Soviel zur Vorgeschichte.  Diesen Amp hier habe ich von Gregor Hilden gekauft, der auf die Kitty Hawks schwört:

(Ein Klick auf’s Foto zeigt alles!)

Kitty1

dscn0179.JPG

Wie man sieht, ist er schon reichlich abgerockt (was ihn erschwinglich machte). Er hatte auch eine elektronische Macke, die von Enzo Morgana auf Gregors Kosten behoben wurde. Seitdem spiele ich ihn mit stetig wachsender Begeisterung – aber es nützt nix: er ist hässlich und riecht auch so. Der Vorbesitzer hat offensichtlich geraucht wie ein Schlot. Und ebenso offensichtlich nicht nur Tabak.

Also erst mal demontieren. Griff und Beschläge ab, Lautsprecher raus, Amphead entfernen. Die Hallspirale war so fikeliinsch montiert, dass ich sie lieber dringelassen habe. Hier die Innereien des Verstärkerkopfes und das leere Gehäuse:

Head innen

Gehäuse1

Gehäuse2

Nächster Schritt: mach dich nackich, Baby! Tolex runter. Das alte Zeug war so mürbe, dass es in wenigen Handgriffen abgerissen war. Zwischen dem Foto oben und diesem hier lagen nur sechs Minuten:

Gehäuse nackt

Was zum Vorschein kam, war auch nicht wirklich hübsch. Klebereste überall, eingesiffter Rauch und vor allem ein Riss entlang der oberen Gehäusekante. Auch der Rahmen der Frontbespannung war an der Stelle gebrochen – was ich schon vor ein paar Monaten behelfsmässig repariert hatte. Der Amp muss mal fürchterlich kopfüber auf die Schnauze gefallen sein. Kein Wunder, dass der Verstärker bei hohen Lautstärken anfing zu rasseln:

Riss

Das Baffleboard sass demzufolge auch nicht mehr fest.

Baffle

Alles nicht so richtig begeisternd.  Ich hab einen Moment überlegt, ob ich jetzt sauer sein soll, dass Gregor mir so eine geschundene Mähre überlässt. Aber andererseits: nach 30 Jahren Rock’n'Roll kann sowas mal sein – und letztlich ist es fix repariert. Schraubzwingen, ein paar Zurrgurte und Ponal regeln das schnell.

Soweit die Bestandsaufnahme. Los geht’s mit der Restaurierung.


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