Posted by Rainer

Jeff Beck ist ein Phänomen. Eigentlich kommt er aus der Bluesrock-Ecke, hat bei den Yardbirds mit Jimmy Page und Eric Clapton gespielt, damals in den Sechzigern. Noch 1969 hat er mit Ronnie Wood am Bass und einem völlig unbekannten jungen Sänger (Rod….dingens…achja..Stewart! Was wohl aus dem geworden ist?) die allererste HardRock-LP aufgenommen (Truth). Und dann ging’s mit Karacho in die ganz andere Ecke: Jazzrock seitdem, kaum Sänger, meist instrumental.

Seitdem macht er konsequent sein eigenes Ding. Mit Mainstream hat das nix zu tun. Gottseidank. Was ihn so besonders macht, ist seine Art Gitarre zu spielen: rein spieltechnisch lotet er die Grenzen des Instruments aus. Keiner spielt wie er – kann man nicht erklären, muss man gesehen haben. Was musikalisch dabei rauskommt ist allerhöchste Kunst: Melodiös, immer geschmackvoll, nie langweilig, jederzeit fesselnd und frisch. Der Mann ist ein Genie. Punkt. Beweis? Bitte schön:

Nun sind wir von der Factory Crew keine Jazzer. Aber “Live at Ronnie Scott’s” ist trotzdem eine Konzert-DVD, die uns tief beeindruckt hat. Es ist nicht nur ein Erlebnis, Jeff zu hören und zu sehen (der Mann ist 65, chapeau – deutlich weniger Falten als Mick Jagger!), es ist auch ein Genuss, der überaus süssen virtuosen Bassistin Tal Wilkenfeld auf die DFinger zu schauen.  Und was Vinnie Colaiuta auf dem Schlagzeug zaubert, ist stellenweise geradezu demütigend.

Könnte man sich wenigstens drauf rausreden, dass hier ungeniessbares Jazz-Gefrickel präsentiert wird, als reine Virtuositäts-Demonstration abgehobener Autisten. Nicht mal das: der Groove stimmt, die Melodien sind toll, das Zusammenspiel und die Kommunikation der Musiker sind schön mitzuerleben. Verdammt, die haben SPASS! – ist das noch Jazz?

Langer Rede kurzer Sinn: wer Musik nicht nur als Hintergrundbeschallung versteht, sondern als sinnliches Erlebnis, kommt mit dieser DVD voll auf seine Kosten. Schön laut drehen, ein Fläschchen Rotwein dazu und der Abend ist gerettet.


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