Ich hatte zwischendurch ein paar Tage Zeit, um die Aufnahmen abzumischen, die Hallräume zu ergänzen, lästige Frequenzen wegzuequalizen oder die Kompressoren fein einzustellen…nach und nach nähert sich der Mix einem brauchbaren Ergebnis.
Aber noch fehlt ja das Wichtigste: der Gesang. Dafür kam Stefan an einem Sonntag gegen Mittag bei mir vorbei. Ich hatte ihm vorher schon angekündigt, daß ich ihn quälen werde….so ganz hat er mir das wohl nicht geglaubt. Am Ende des Tages mussten wir dann beide feststellen, daß so eine Gesangsaufnahme doch verflucht anstrengend sein kann. Erstens, weil ich selbst Sänger bin und deswegen beim Aufnehmen die Flöhe husten höre (…”mach nochmal, das kannst du besser!”…), zweitens, weil Stefan mit sich selbst oft zu kritisch ist und drittens, weil diese Musik eine recht intensive Gesangsleistung erfordert.
Das richtige Maß zu halten zwischen Lockerheit und Spontaneität auf der einen Seite und Präzision und Intensität auf der anderen erfordert gerade beim Gesang eine höllische Konzentration. Engagiert sein, aber nicht überziehen, das ist die Kunst. Der eine Tag hat nur für drei Stücke gereicht, zwei weitere mussten wir eine Woche später aufnehmen.
Stefan hat’s hervorragend hinbekommen, und aus den eingesungenen Parts am Ende die besten Tracks rauszusuchen, war ein Leichtes.
Beim Abhören fiel mir noch auf, daß ich bei “Lover of the Bayou” auf der Basis-Aufnahme ziemlichen Murks gespielt habe, so daß ich Rhythmus und Solo neu einspielen musste. Ausserdem kamen noch das Slide bei “Turn the Page” zum Einsatz – und ganz spontan eine Akustikgitarrenspur, die ich ebenfalls in meinem Heimstudio nachgetragen habe. Ein paar sparsame Chorgesänge obendrauf, zwischendurch immer wieder den Mix korrigiert…so langsam nähert man sich dem Zieleinlauf.
Während des ganzen Prozesses habe ich immer jeweils die aktuellen Versionen an die Bandkollegen verschickt, um Rückmeldungen und Kritik zu hören. Nachdem ich mit allem so gut wie fertig war, habe ich dann alle Aufnahmen gesammelt an eine Handvoll ausgesuchter Musikerkollegen gesandt, damit die sich das nochmal mit neutralem Ohr anhören. Insbesondere Thomas von der Keller Mountain Blues Band hat mir noch ein paar sehr wertvolle Hinweise gegeben. Vielen Dank nochmal allen, die geholfen haben, auch Kirk und Armin für’s Motivieren
.
Nu isses soweit. Unsere Aufnahmen sind fertig und auf der Website verfügbar. Wir sind mit dem Ergebnis absolut zufrieden.
Was mich angeht: es war anstrengend, es hat enorm Zeit in Anspruch genommen…aber auf der anderen Seite war’s auch inspirierend und sehr befriedigend, das ganze Projekt in Eigenregie komplett mit Band-Mitteln ohne fremde Hilfe durchgezogen zu haben. Ich würd’s jederzeit wieder machen….